Carlolinum Osnabrück
18.08.2019

Exkursion zur MS-Wissenschaft: Künstliche Intelligenz als Problem von Informatik und Philosophie

Unmittelbar vor den Ferien begaben wir uns, drei Kurse der Jahrgangsstufe 11, auf eine Reise der etwas anderen Art. Zusammen mit Frau Reischert, Frau Keinke und Herrn Freking fuhren die Philosophiekurse und ein Informatikkurs nach Münster, um dort gemeinsam mit Prof. Dr. Gordon Pipa das Ausstellungsschiff der MS Wissenschaft zu erkunden. Prof. Dr. Gordon Pipa ist Professor für Neuroinformatik an der Universität Osnabrück und wurde mit seinem Projekt dieses Jahr für das Schiff der MS ausgewählt.

Die MS Wissenschaft beschäftigt sich jedes Jahr mit einem neuen Thema, welches sie dann auf ihrer Tour mit dem Schiff vorstellt. Dieses Jahr war das Thema ein für viele vielleicht noch etwas unbekannter Begriff: KI.

Die MS Wissenschaft beschäftigt sich jedes Jahr mit einem neuen Thema, welches sie dann auf ihrer Tour mit dem Schiff vorstellt. Dieses Jahr war das Thema ein für viele vielleicht noch etwas unbekannter Begriff: KI.

KI steht für künstliche Intelligenz und ist eine neue Revolution der Arbeits- und Technikwelt. Anders als vorherige Revolutionen wie die Dampflok oder der Webstuhl, ist die KI bereits heute in fast allen Bereichen unseres Lebens zu finden. Durch sie ist es möglich, dass viele Prozesse bereits alleine ablaufen und sie ist sogar so zu programmieren, dass sie von alleine aus Fehlern lernt, eben ganz ähnlich wie auch die Intelligenz des Menschen funktioniert. Oftmals fragt man sich als jemand, der mit der ganzen Materie nicht viel zu tun hat, wo genau man so etwas wiederfindet oder ob es überhaupt eine so große Bereicherung für uns ist. Nach unserem Trip zum MS Wissenschaft Ausstellungsschiff können wir das nun ganz klar beantworten: Ja, es wird uns Menschen im Leben einen großen Schritt weiter bringen und vieles vereinfachen.

Wir hatten die Möglichkeit, uns mit Hilfe von Spielen, Videos oder Ähnlichem ein gutes Bild von KI zu machen, was ich mit diesem Bericht auch gerne zeigen möchte. Ob auf Instagram, Twitter oder Snapchat, überall findet man heutzutage Fotos von uns und am besten noch gleich mit Namen. Allerdings kann man damit alleine nicht viel anfangen; bis jetzt. KI hat es im Laufe der letzten Jahre ermöglicht, dass Fotos so untersucht und gespeichert werden, dass man dem Computer sogar Fragen zum Bild stellen kann. Ist auf dem Foto beispielsweise ein Hund abgebildet, welcher einen Teller mit Futter vor sich stehen hat, kann man ganz einfache Fragen stellen, wie z.B.: Welche Farbe hat das Futter?  Hat man diese Frage gestellt, kann man deutlich erkennen, wie der Computer die für ihn wichtigen Bereiche des Bilds farbig lässt und den Rest mit einem weißen Schatten versieht, um sich nur auf das Wichtige konzentrieren zu können. Das ist, wie uns erklärt wurde, allerdings noch nicht die vollendete Version gewesen. Die Technologien der KI entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit weiter, und es ist kein Ende in Sicht.

Der Grund, warum besonders die Philosophiekurse an dem Themenbereich interessiert sind, lässt sich relativ leicht erklären. Nicht nur die Fabriken, Computer oder Maschinen werden immer selbstständiger, sondern auch uns alltäglich bekannte Dinge wie die Bahn, der Bus oder wer weiß, vielleicht sogar bald, die Flugzeuge. Dabei werden sie nun nicht mehr von Menschen, sondern ganz alleine von Computern gesteuert, was uns viel Vertrauen abverlangt.

Das von Professor Pipa geleitete Ausstellungsexperiment hat sich mit dem Problem des autonomen Fahrens auseinandergesetzt. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Stadt mit dem Namen „Westdrive“, über die man sich mithilfe einer Virtual Reality Brille einen Überblick verschaffen kann. Sobald man diese Brille aufsetzt, befindet man sich in einem selbstfahrenden Auto, welches durch einen Roboter-Computer gesteuert wird. Diese virtuelle Stadt, die sich auf einer Fläche von 2,5km2 erstreckt, ermöglicht eine perfekte Durchführung von psychologischen Experimenten, da die reale Welt viele Störfaktoren mit sich birgt. Für viele Schülerinnen und Schüler hat sich das Sitzen in einem selbstfahrenden Auto sehr komisch angefühlt, zumal das im Moment sehr ungewohnt und nahezu unvorstellbar für den Straßenverkehr scheint. Jedoch sollen die ersten autonomen Fahrzeuge bereits im Jahr 2025 im Straßenverkehr zugelassen werden. Da durch die Programmierung des Autocomputers des Autos menschliches Versagen – die häufigste Unfallursache überhaupt – unterbunden wird, würde die Zahl der Unfälle durch die autonomen Fahrzeuge stark zurückgehen, sodass diese den Verkehr auf offener Straße sicherer machen würden. Zudem hätte man durch die abgenommene Aufgabe des Fahrens und Steuerns des Autos mithilfe der KI mehr Zeit zum Arbeiten und Entspannen während der Fahrt, was natürlich ein weiterer Vorteil wäre. Allerdings bleibt die Frage, ob und wie Künstliche Intelligenz programmiert werden sollte, um etwa in Konfliktsituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Für welche Person soll sich das Fahrzeug entscheiden, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten mehr gibt und das Leben eines Menschen auf dem Spiel steht? Stelle man sich nun so ein Szenario vor: Wen soll man, wenn kein anderer Ausweg möglich ist, überfahren? Die alte Dame oder das kleine Kind? Viele von uns würden sich wahrscheinlich für (also gegen) die alte Dame entscheiden, aber ist das auch richtig, nur weil sie ihr Leben schon fast hinter sich hat? Kann und sollte eine solche Entscheidung wirklich programmiert werden? In genau solchen Fällen ist die Philosophie gefragt, um unsere moralischen Intuitionen auf ihre Tragfähigkeit hin zu prüfen.

Abschließend ist zu sagen, dass das diesjährige Thema der MS Wissenschaft und die sehr gelungene Ausstellung von den Schülerinnen und Schülern viel Lob bekommen hat. Wir danken Herrn Professor Pipa für interessante Einblicke.